Corona-Altar


Einsendung in der Kategorie Installation

Kategorie: Installation
Genre/Technik: Literarisch-assoziative Pop-Art-Ready-Made-Installation
Technik: Installation aus Alltagsgegenstände (der Quarantäne)
Größe: 150 cm + 170 cm

Künstler: Jascha Wolfram
Webseite: www.jaschawolfram.wixsite.com/kunst

Seit dem 1.April stelle ich im Hole of Fame in einer sogenannten „Schaufensterausstellung“ die Arbeit Corona-Altar aus. Meine Intention dabei war es, Assoziationen aus dem verunsicherten und klaustrophoben Alltag der Menschen in Form eines Altars zu versammeln. Für mich stellt ein Altar immer eine Momentaufnahme dessen dar, was zu einer bestimmten Zeit von einer Gesellschaft vergöttert wird. In diesem Fall Klopapier, Nudeln und Desinfektionsmittel. Die stark religiös bzw. kulturell aufgeladene Form des Altars soll dabei im Kontrast dazu stehen, dass der Altarkörper aus Klopapierrollen aufgebaut ist und überwiegend mit Alltagsgegenständen bestückt ist, welche in Covid-19-sicherer Frischhaltefolie eingepackt sind. Viele der Assoziationen sind ironisch gemeint, so wie zum Beispiel die Leseempfehlungen, welche von Albert Camus: Die Pest, über Jean-Paul Sartres Ekel bis hin zu Homers Odyssee reichen. Bei genauerem Hinschauen, entdeckt man jedoch auch Bücher und andere Objekte, welche etwas mehr zum Nachdenken anregen sollen. So findet sich auch eine Buch von Simone Weil mit dem Titel „Über die Ursachen von Freiheit und gesellschaftlicher Unterdrückung“ neben einer „eingetüteten“ Version der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Etwas darüber ist auch eine ebenfalls eingetütete Version des Grundgesetzes drapiert. Die Grund- und Menschenrechte in Frischhaltefolie sollen hierbei als Metapher dafür dienen, dass einem bestimmte Freiheiten derzeit tatsächlich wie eingesackt bzw. konfisziert vorkommen - auch wenn ich nicht der Meinung bin, dass dies mit böser Absicht intendiert oder von Dauer ist. Diese Ambivalenz wird vielleicht ganz gut dadurch verdeutlicht, dass die Rechtsbücher zwar luftdicht, aber eben auch transparent verpackt sind und dass sie anstatt verbrannt, vielmehr konservierend in Frischhaltefolie gehüllt sind. Ein ganz unpolitischer Gegenstand des Corona-Altars soll hingegen der Blumenstrauß in Frischhaltefolie am Kopf des Altars darstellen. Dieser soll die Absurdität symbolisieren, dass Frühlingsanfang und der Ausbruch der Pandemie in Deutschland quasi zusammenfielen, so das man das Gefühl hatte, der ganze Frühling wäre nun in Frischhaltefolie gepackt. Als Symbol für das Verstreichen der Zeit sollen auch die am Boden liegenden Blätter eines Abreißkalenders dienen. Auf die vielen weiteren Details möchte ich gar nicht weiter eingehen, da es mir ja zentral um die Assoziationen geht, welche die Rezipient*innen haben. Insgesamt soll der Corona-Altar frei deutbar sein und auch alles hier politisch erörterte soll nur eine mögliche Deutung darstellen. Für mich stellt diese offene Deutungshoheit den Unterschied dar, welcher Kunst von Agitation oder Dekoration unterscheidet. Es soll also jeder*jedem frei stehen, ganz individuelle Gefühle und Gedanken in den Corona-Altar hinein zu projizieren bzw. herauszulesen. Eine Person mag ihn als Symbol dessen lesen, welche Entbehrungen sie diese Tage erleiden muss; eine andere Person kann sie als zynischen Kommentar dazu sehen, wie relativ die Entsagungen der deutschen Bevölkerung im Vergleich beispielsweise zum Leid im Flüchtlingslager Moria sind; wieder eine andere Person kann sich auch einfach belustigt ertappt fühlen, wenn sie all die Objekte auf einem Altar versammelt findet, welche seit Wochen durch die Köpfe der Menschen geistern. Mein einziger Wunsch ist, dass der Corona-Altar es schafft, die Menschen kurz aus ihrem Quarantäne-Alltag zu holen und sie anhält, sich für einen Moment mit sich selbst und den Phänomenen der Zeit auseinanderzusetzen.
Corona-Altar

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